Fahrradhändler Bernd Heiland hat viele Kunden, die nach einer Alternative zum Auto suchen.

Fahrradhändler Bernd Heiland hat viele Kunden, die nach einer Alternative zum Auto suchen.

Foto: Andrea Lammers

Fahrradhändler Bernd Heiland hat viele Kunden, die nach einer Alternative zum Auto suchen.

Heute

Spritpreise befeuern Fahrradtrend in Bremerhaven

In Reih und Glied stehen die auf Hochglanz polierten Fahrräder im Geschäft von Bernd Heiland. Zumeist nicht lange. „Die Nachfrage ist enorm“, sagt Heiland. Viele Kunden suchten hier eine Alternative zum Auto. Ein Trend, den Bremerhavener Branchen-Kollegen bestätigen. Neben einem verstärkten Klimabewusstsein spielen auch die stark gestiegenen Benzin- und Dieselpreise eine Rolle, so Heiland.

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Draußen verkündet der Sonnenschein den nahenden Frühling und damit den Beginn der Fahrrad-Saison. Bei „Rad&Tour“ in Geestemünde stehen die Räder nicht mehr still. Eine ältere Dame lässt sich von einem Mitarbeiter ein E-Bike zeigen. Während Heiland gerade einem Kunden die Vorzüge eines bestimmten Fahrrades erläutert, durchstöbern bereits zwei weitere Anwärter auf eine Beratung die Reihen.

Die klimaschonende Alternative ist beliebt

Es riecht ein wenig nach Gummi. An den Wänden zieht jede Menge Zweiradzubehör die Blicke an. „Bei vielen Menschen ist schon lange ein Umdenkprozess im Gang. Sie suchen nach einer klimaschonenden Alternative zum Autofahren“, ist Heiland sicher. „Beim Tanken schießen jetzt so manchem die Tränen in die Augen.“

Mit den hohen Spritpreisen sei wohl eine Grenze bei den Verbrauchern überschritten worden, die Suche nach anderen Fortbewegungsmitteln stehe für viele im Vordergrund, glaubt der Fahrrad-Händler. Besonders groß sei das Interesse an E-Bikes. „Die Nachfrage nach Pedelecs steigt und steigt“, berichtet Heiland. „Sie spielen eine große Rolle bei der Verkehrswende“, ist er überzeugt.

Zweitwagen werden immer öfter abgeschafft

Aber auch andere Fahrräder seien enorm nachgefragt. „Transport- und Lastenräder sind für immer mehr Menschen interessant.“ In vielen Familien seien bereits die Zweitwagen abgeschafft worden, hätten Heilands Kunden ihm berichtet. „Ich finde, es ist enorm wichtig, dass die Verkehrsinfrastruktur entsprechend umgestaltet wird. Gerade bei den Jungen findet ein enormes Umdenken statt.“

Das zeigt sich auch im Fahrrad-Geschäft „Der Bastler“. „Ich war heute Morgen selber geschockt, als ich die Benzinpreise sah“, verrät Inhaber Michael Meyer. Anders als einige seiner Kunden, kommt er jedoch nicht ums Auto herum: „Ich wohne zu weit weg, um mit dem Rad zur Arbeit zu fahren, und ich nutze das Auto auf dem Weg auch, um Fahrräder auszuliefern.“

Nicht nur E-Bikes stark nachgefragt

Viele seiner Kunden würden derzeit das Pedelec wählen, um das Auto stehenzulassen. Die Nachfrage sei enorm. „Den Trend gibt es aber schon länger. Schon durch Corona hat da ein Umdenken stattgefunden. Das Interesse an einer klimafreundlicheren Fortbewegung ist enorm gewachsen“, meint Meyer. Neben den E-Bikes sei aber auch bei anderen Fahrrädern die Nachfrage groß: „Wir haben schon ziemliche Lieferengpässe. Auch bei den Ersatzteilen ist es schwierig, welche zu bekommen.“

Den E-Bike-Trend gibt es laut Fahrradhändler Heiland schon länger.

Den E-Bike-Trend gibt es laut Fahrradhändler Heiland schon länger.

Foto: dpa

Von Lieferengpässen weiß auch Frank Langner zu berichten. „Das ist schon seit Corona so. 60 Prozent der Fahrräder kommen heute aus Asien. Die Frachtpreise sind enorm geklettert. Das wird durch den Krieg in der Ukraine noch zunehmen“, vermutet der Geschäftsführer von „Zweirad Fachmarkt Bauer“.

Zeitgleich mit den gestiegenen Preisen für Fahrräder aller Art sei auch die Nachfrage in die Höhe gegangen. Besonders gefragt auch hier: E-Bikes: „Das Thema wird immer interessanter für die Kunden. Man spürt deutlich ein stark verändertes Umweltbewusstsein, den Willen, das Auto für das Fahrrad stehenzulassen“, so Langner.

Mit Leasing zum Wunsch-Fahrrad

Der Trend zu dem Trend lautet hier: E-Bikes leasen. „Jedes dritte E-Bike ist mittlerweile geleast. Viele Arbeitgeber bieten ihren Angestellten das mit Blick auf den Gesundheitsaspekt an.“ Auch gebrauchte Fahrräder sind in dem Geschäft begehrte Ware: „Ein gebrauchtes Fahrrad steht bei uns selten länger als zwei Wochen.“

Die hohen Benzinpreise würden den Fahrrad-Händlern zurzeit zusätzlich in die Karten spielen, die gute Nachfrage unterstützen: „Ich denke aber, viele Leute halten das nur für eine kurzfristige Verteuerung. Schlussendlich wird auch die deutsche Bundesregierung die Mehrwertsteuer senken müssen“, glaubt der Geschäftsführer.

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