Gartenbauamtsleiter Thomas Reinicke und Landschaftsarchitektin Liselotte Gundermann halten Amberbäume für geeignete Straßenbäume.

Gartenbauamtsleiter Thomas Reinicke und Landschaftsarchitektin Liselotte Gundermann halten Amberbäume für geeignete Straßenbäume.

Foto: Andrea Lammers

Gartenbauamtsleiter Thomas Reinicke und Landschaftsarchitektin Liselotte Gundermann halten Amberbäume für geeignete Straßenbäume.

Heute

Straßen in Bremerhaven: Bis zu 1000 Bäume sind notwendig

Wie viel Lebensqualität mit Straßenbäumen zu tun hat, merken Städter spätestens, wenn dieses Grün nur noch spärlich vorhanden ist. Vorzugsweise im Sommer. Die Stadtklima-Analyse belegt, wie es in Bremerhaven um diese Qualität bestellt ist. In Kooperation mit anderen Ämtern gibt das Gartenbauamt Gas, um „Klimawüsten“ zu korrigieren.

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Zum Beispiel in der Kistnerstraße. Dort werden just die letzten der insgesamt 25 Straßenbäume gepflanzt. Für den engen Straßenbereich sind schmalkronige Bäume wie Säuleneichen ausgesucht worden. Wie notwendig die Begrünung dieser dicht bebauten Straße ist, beweist der Blick auf die Grafik der Stadtklima-Analyse. Tiefrot tritt der Straßenzug dort in Erscheinung. „Das bedeutet, dass es sich um einen klimatisch problematischen Bereich handelt“, erläutert Landschaftsplanerin Liselotte Gundermann. „Je dunkler das Rot, desto schwieriger die Bedingungen.“ Aber was heißt das konkret? „Diese Bereiche sind stark versiegelt. Die Luft steht dort, es ist sehr trocken. Im Sommer heizt es sich dort stark auf“, nennt Gundermann Auswirkungen.

Kühlendes Grün

„Um negativen Folgen von Wetterextremen wie sehr trockenen Phasen und solchen mit großen Wassermassen vorzubeugen, sieht die Klima-Anpassungs-Strategie der Stadt das Pflanzen vieler großkroniger Bäume vor“, beschreibt der Leiter des Gartenbauamtes, Thomas Reinicke, die Ausgangssituation für die Anpflanzungen von weiteren Straßenbäumen.

Wo diese vornehmlich in Angriff genommen werden: in den besonders „roten“ Gebieten auf der Karte zur Stadtklima-Analyse. „Stark versiegelte Flächen sehen wir dort zum Beispiel in vielen Straßenzügen im alten Lehe, in Geestemünde-Geestendorf, aber auch im Stadtzentrum und in den Hafenbereichen“, so Gundermann. „Dort herrschen nachts im Sommer teilweise Temperaturen von 20 Grad, während zeitgleich in den begrünteren Bereichen der Stadt 12 Grad gemessen werden“, so Reinicke. „Im Jahr 2018 sind in Deutschland rund 20000 Menschen über 65 aufgrund hoher Temperaturen gestorben“, nennt Reinicke eine der Auswirkungen und erklärt, warum den Stadtbäumen eine so enorme Bedeutung zukommt: „Sie sind die Klima-Anlagen in einer Stadt, binden das CO2, sorgen für Sauerstoff sowie für Abkühlung durch Beschattung und Verdunstung, sie binden den Staub, bremsen den Wind.“ Außerdem gebe es mittlerweile Studien, die den positiven Einfluss von Straßenbäumen auf die seelische Gesundheit der Bewohner belegten, sodass signifikant weniger Antidepressiva verschrieben worden seien, wo Menschen in der Nähe von Straßenbäumen lebten.

Ämter arbeiten zusammen

Bei der Umsetzung der Klima-Anpassungsstrategie arbeiten das Gartenbauamt, das Straßen- und Brückenbauamt sowie das Stadtplanungsamt eng zusammen: „Bei den Anpflanzungen müssen viele Faktoren, wie beispielsweise ober- oder unterirdische Leitungen, Verkehrsführung beachtet werden“, so Reinicke. „Das ist eine ziemliche Bastelei.“ Zurzeit warte man auf einen positiven Bescheid für die Anpflanzung von weiteren rund 1000 Straßenbäumen durch das Bundesprogramm zur Klimaanpassung und Modernisierung urbaner Räume.

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