Lena Fehlig mit ihrem Sohn. In Bremerhaven studiert sie Digitale Medienproduktion.

Lena Fehlig mit ihrem Sohn. In Bremerhaven studiert sie Digitale Medienproduktion.

Foto: van Veenendaal

Lena Fehlig mit ihrem Sohn. In Bremerhaven studiert sie Digitale Medienproduktion.

Heute

Studieren in Bremerhaven: Zwischen Kita und Campus

Vorlesungen, Seminare, Hausarbeiten, Prüfungen – das Studentenleben ist nicht immer ein Zuckerschlecken. Wie herausfordernd muss es da sein, wenn man sich zusätzlich um den eigenen Nachwuchs kümmern muss? Lena Fehlig kann diese Frage beantworten. Sie studiert an der Hochschule Bremerhaven und hat zwei kleine Kinder.

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Ein Jahr ist ihr Sohn nun alt, ihre Tochter bereits vier Jahre. Die Entscheidung, in dieser Lebensphase Eltern zu werden, haben ihr Ehemann und sie nie bereut, sagt die 29-Jährige. Und aufs Studium zu verzichten, sei ebenfalls nicht infrage gekommen. „Ich habe mich immer gefragt, wie mein Leben sonst in zehn Jahren aussehen würde“, erläutert Fehlig, die mit ihrer jungen Familie in Osterholz-Scharmbeck wohnt. „Dann würde ich vermutlich mein Leben lang den gleichen Job machen. Das war für mich keine Option“, betont sie.

Erfahrung als OP-Schwester

Dabei habe sie ihren vorherigen Beruf als OP-Schwester durchaus gemocht. Ihr Ziel sei es jedoch gewesen, Medizin zu studieren. Immer wieder habe sie sich für einen Studienplatz beworben – und jedes Mal eine Absage kassiert. „Da ich also sowieso auf eine Zusage warten musste, wollten wir die Zeit für unsere Familienplanung nutzen“, erzählt sie. Schneller als erwartet, sei ihre gemeinsame Tochter unterwegs gewesen. „Als ich später erneut Absagen fürs Medizinstudium erhalten habe, wollte ich diesem Traum nicht mehr nachlaufen“, berichtet sie.

Als kreativer Mensch habe sie das Thema digitale Medien ebenfalls schon lange interessiert. Weil der Studiengang an der Universität Bremen als informatiklastig gelte, und ihr der Praxisbezug einer Hochschule zusagte, fiel die Wahl auf Bremerhaven. Im Wintersemester 2019/20 sei sie dort für den Studiengang Digitale Medienproduktion angenommen worden.

Von da an hieß es, alles gut zu organisieren. Weil ihr Mann ebenfalls voll berufstätig ist, brachte Lena Fehling ihre damals zweijährige Tochter morgens zunächst in die Kita. Sie selbst fuhr dann mit dem Zug von Osterholz-Scharmbeck nach Bremerhaven, studierte dort, fuhr dann mit dem Zug wieder zurück und holte ihr Kind wieder ab. „Wenn ich es nicht geschafft habe, weil der Zug mal wieder Verspätung hatte, haben meine Eltern meine Tochter von der Kita abgeholt“, erzählt sie. Die Einrichtung habe von 7 bis 16 Uhr geöffnet, doch so lange sei die Kleine nie dort gewesen. Ihr Ehemann habe ihr dann nachmittags und abends zu Hause den Rücken freigehalten, damit sie lernen konnte.

Die Tochter mit nach Bremerhaven in die Hochschule zu nehmen, wäre zwar möglich gewesen, habe für sie wegen des entfernten Wohnorts aber wenig Sinn ergeben. Doch wenn sie in der Seestadt leben würde, hätte sie sicherlich den Little Campus genutzt. „Das ist eine Kinderbetreuung, die von den studierenden Eltern untereinander selbst organisiert wird“, erläutert Fehlig. Mit Beginn von Corona sei dieses Angebot jedoch ohnehin erst einmal weggefallen.

Online-Seminare von Vorteil

Für sie habe die Pandemie allerdings auch positive Effekte gehabt, sagt sie. „Alle Veranstaltungen haben online stattgefunden. Ich konnte von zu Hause studieren, während die Kinder bei mir waren.“ Auf diese Weise habe sie sogar eine Abschlusspräsentation halten können, und gleichzeitig ihren Sohn in einer Trage hin- und hergewippt. „Da hat sich nie jemand beschwert. Aber ich habe im Vorfeld auch immer darauf hingewiesen, dass ich ein Kind bei mir habe“, berichtet sie.

Abstriche müssten studierende Eltern dennoch machen, betont sie. „Es ist alles machbar, aber man darf nicht perfekt sein wollen. Und die Regelstudienzeit schafft man als frisch gebackene Mama auch nicht. Davon muss man sich frei machen.“ Sie selbst habe sich davon verabschiedet, nach sieben Semestern fertig zu sein. „Zwei Semester kommen bei mir auf jeden Fall hinzu, vielleicht auch vier“, blickt sie entspannt nach vorne.

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