Auszubildende zum KFZ-Mechatroniker arbeiten an einem Motor. Nicht nur die Ausbildung wird sich durch das Aus für Verbrennungsmotoren grundlegend ändern.

Auszubildende zum KFZ-Mechatroniker arbeiten an einem Motor. Nicht nur die Ausbildung wird sich durch das Aus für Verbrennungsmotoren grundlegend ändern.

Foto: Oliver Berg/dpa

Auszubildende zum KFZ-Mechatroniker arbeiten an einem Motor. Nicht nur die Ausbildung wird sich durch das Aus für Verbrennungsmotoren grundlegend ändern.

Heute

Trend zum E-Auto trifft die Werkstätten hart

Die Tage des Verbrennungsmotors sind gezählt. Immer mehr große Hersteller verkünden den Umstieg zur Elektromobilität. Doch was nach Willen der Bundesregierung wichtig gegen den Klimawandel ist, hat auch Schattenseiten: Zigtausende Jobs werden in den kommenden Jahren wegfallen, aber auch neue entstehen. Zu den Verlierern dürften die klassischen Werkstätten gehören.

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In Summe wird die Anzahl der Stellen in der automobilen Arbeitswelt in Deutschland bis 2030 konstant bleiben – zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Denkfabrik Agora Verkehrswende und der Boston Consulting Group. Sogar ein leichtes Plus stellen die Verfasser in Aussicht: So sollen vor allem 205.000 Arbeitsplätze bei Herstellern und Zulieferern entstehen, die vom sogenannten Antriebsstrang unabhängig sind. Auf der anderen Seite sollen jedoch 180.000 Arbeitsplätze in Industriezweigen wie der klassischen Automobilherstellung und -wartung sowie bei den Zulieferern für die Herstellung von verbrennungsmotorischen Antrieben wegfallen. Schwierig dürfte es für die Werkstätten werden, die laut der Studie bis 2030 etwa 15.000 Jobs verlieren.

Obermeister rechnet nicht mit Entlassungen

Den Rückgang an Arbeitsplätzen sieht auch Karl-Wilhelm Schnars, Obermeister der Kfz-Innung Bremerhaven-Wesermünde. „Allerdings leidet unsere Branche schon länger an einem Fachkräftemangel. Allein dadurch dürfte ein Teil kompensiert werden können“, meint er. Mit Entlassungen und Werkstattschließungen aufgrund der Umstellung auf E-Mobilität rechnet er nicht. Trotzdem werde die Zahl der Werkstätten weiter abnehmen, schätzt er. „Aber diesen Trend gibt es schon länger. Er hat mit fehlenden Nachfolgern und dem Rückgang von Reparaturaufträgen zu tun“, erläutert Schnars.

Der Obermeister weiß zudem, dass sich die Arbeit in den Werkstätten ändern wird. Auch das sei nicht neu: „Als ich vor 40 Jahren im Beruf angefangen habe, hießen wir noch Autoschlosser. Daraus wurde der Kfz-Mechaniker und schließlich der Kfz-Mechatroniker.“ Gerade letztere Berufsbezeichnung mache schon deutlich, wohin sich die Branche entwickelt habe. „Elektrische und elektronische Geräte haben längst Einzug in die Autos gehalten. Jede Tür hat mittlerweile ein Steuerelement für elektrische Fensterheber, und die rein mechanische Bremse gibt auch kaum noch“, sagt Schnars.

Man muss ständig am Puls der Zeit sein. Dann hat auch der kleine Schrauber – dazu zähle ich auch meine eigene Werkstatt in Bramstedt – eine Chance.
Karl-Wilhelm Schnars, Obermeister der Kfz-Innung Bremerhaven-Wesermünde

Jetzt verändere sich alles, was mit dem herkömmlichen Antriebsstrang zu tun habe. So gebe es auch keinen Auspuff mehr und auch keine herkömmlichen Bremsen. „Allgemein benötigen Elektroautos weniger Service, aber sie benötigen ihn“, betont Schnars. Werkstätten sollten also frühzeitig anfangen, sich mit neuen Technologien zu beschäftigen – nicht nur mit E-Autos, sondern auch mit Antriebsarten wie der Brennstoffzelle. So werde der Hochvolt-Bereich eine größere Rolle spielen.

Die Folge: Es werden mehr Spezialisten benötigt – ein Umstand, der sich auch auf die Ausbildung niederschlagen wird. „Es werden gute naturwissenschaftliche und mathematische Kenntnisse, aber auch sehr gute Deutschkenntnisse benötigt“, sagt der Obermeister. Mit einem schlechten Hauptschulabschluss werde man im Kfz-Bereich nichts mehr erreichen können. Benötigt werde mindestens ein guter Realschulabschluss oder sogar Abitur, womöglich sogar ein Studium.

Ständiges Beobachten nötig

Auch wenn er die völlige Abkehr vom Verbrennungsmotor für falsch hält – „in anderen Teilen der Welt wird dieser weiterverwendet und weiterentwickelt“, ist er sich sicher –, sollten sich alle Werkstätten rechtzeitig auf den Wandel vorbereiten. „Man muss ständig am Puls der Zeit sein. Dann hat auch der kleine Schrauber – dazu zähle ich auch meine eigene Werkstatt in Bramstedt – eine Chance“, ist Schnars überzeugt.

Doch bis der Verbrennungsmotor ganz verschwunden sei, werde es noch einige Zeit dauern, meint der Obermeister. Auch wenn keine neuen Wagen mit Otto- oder Dieselmotor mehr verkauft würden, seien schließlich noch eine Menge Gebrauchte unterwegs.

Das sieht auch Gerrit Geiser, Geschäftsführer des Motorenspezialisten von Twistern in Bremerhaven, so: „Wenn die Regierung nicht die Nutzung von Altfahrzeugen verbietet, werden Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren noch lange auf den Straßen unterwegs sein.“ Seinem Unternehmen werde so schnell nicht die Arbeit ausgehen, ist er überzeugt – zumal dieses sich um Motoren aller Art kümmert: von Notstromgeneratoren bis hin zu Schiffsmotoren. „Da wird es so schnell keine Umstellung auf E-Antriebe geben, sondern eher auf alternative Brennstoffe“, sagt Geiser.

Geiser: Auch ein E-Auto muss repariert werden

In seiner Werkstatt werde es auf längere Sicht wohl Umstellungen in der Arbeit gebe. „Aber es gibt auch weiterhin Teile an E-Autos, die repariert werden müsse“, meint Geiser und denkt dabei an Reifen und mechanische Teile. Und auch in Sachen Elektronik sieht er sich gut aufgestellt, schon jetzt sei man Bosch-Werkstatt. Aber ohne ständige Weiterbildungen werde es nicht gehen. „Und das dürfte sicherlich ein Problem für kleine freie Werkstätten werden“, denkt er.

Bevor die ersten E-Autos in die freien Werkstätten kämen, werde es aber noch lange dauern, ist Geiser überzeugt. Er befürchtet zudem eine Entwicklung wie bei den Smartphones: „Auch hier wird eher selten repariert, sondern stattdessen neu gekauft.“ Für ihn als Oldtimer-Spezialist ist eines klar: „E-Autos mit H-Kennzeichen werden wir nicht sehen.“

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