Auch das neue Gebäude des Alfred-Wegener-Instituts im Fischereihafen bekommt eine Wärmepumpe (Kasten vorne).

Auch das neue Gebäude des Alfred-Wegener-Instituts im Fischereihafen bekommt eine Wärmepumpe (Kasten vorne).

Foto: Becker/Energiekonsens

Auch das neue Gebäude des Alfred-Wegener-Instituts im Fischereihafen bekommt eine Wärmepumpe (Kasten vorne).

Heute

Wege zur Unabhängigkeit bei Gas und Strom

Steigende Energiekosten und das drohende Ausbleiben von russischem Gas: Da wären Besitzer von Häusern und Wohnungen bei Heizung und Strom am liebsten komplett unabhängig. Ist das möglich? „Theoretisch ja“, sagt Heinfried Becker von der Klimaschutzagentur des Landes Bremen, Energiekonsens. „Doch am besten sind Lösungen mit hohem Autarkiegrad, die in Netzstrukturen eingebettet sind.“

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Eine gute Dämmung, Stromerzeugung mit Speichertechnologie und eine eigene Wärmeversorgung: „Wenn Geld keine Rolle spielt, ist eine komplette Unabhängigkeit sicherlich kein Problem“, meint der Leiter des Energiekonsens-Büros in Bremerhaven. Allerdings kosten diese autarken Insellösungen sehr viel Geld und erfordern erhebliche Planungs- und Handwerkeraufwände. Zudem sei es auch gesellschaftlich gesehen nicht die erste Wahl. „Im Idealfall sollte das eigene Haus mehr Strom und Wärme erzeugen, als es selber verbraucht – damit man auch andere Gebäude mit bedienen kann.“ Bedeutet: Mehrere Hausbesitzer tun sich zusammen, am besten sogar in Wohnvierteln – und versorgen sich selber.

Vorbild Dänemark

Becker schaut dabei nach Dänemark, wo dieses Modell seit einigen Jahren gut läuft. „Für die neue Generation der Fernwärmeversorgung kommen hier hauptsächlich Luft/Wasser-Wärmepumpen zum Einsatz, die mehrere Haushalte versorgen. Es sind kleine Fernwärme-Netze“, erzählt der Energiekonsens-Fachmann. Der Strom dafür komme aus den Windenergie-Anlagen, von denen Dänemark eine Menge habe und die überschüssigen Strom produzieren.

Dieses Modell könnte nach Ansicht von Becker auch in Deutschland funktionieren – besonders zur Unterstützung der Fernwärme in Städten. Er sieht hier vor allem die Kommunen in der Pflicht, für eine entsprechende Fernwärme-Infrastruktur zu sorgen. Denn das ist ein Rat, den er nur jedem Hausbesitzer geben kann: „Wer in der Nähe einer Fernwärmeleitung wohnt, sollte über den Anschluss an das Fernwärmenetz nachdenken“, sagt Becker.

Was kann ein Hausbesitzer denn nun konkret tun? Wer neu baue, habe es leichter, sagt der Fachmann. Denn hier könne das Haus von Anfang an als aktives Haus geplant werden. Das Ziel hierbei ist es, den Energiebedarf für den Gebäudebetrieb und die Nutzerausstattung zu decken und – so weit möglich – sogar Überschüsse zu erzeugen. „Hierzu werden lokal erzeugte erneuerbare Energien eingesetzt und Überschüsse ins Quartiersnetz eingespeist“, sagt Becker.

Dämmen, Photovoltaik und Solarthermie

Aber auch Besitzer von Bestandshäusern können etwas tun: „So gut es geht dämmen und dann passive Lösungen nutzen wie Photovoltaik und Solarthermie“, rät Becker. Auch Lösungen wie Wärmepumpen und Biomasse-Heizungen seien möglich. Es gebe auch noch etliche Förderprogramme. „Deswegen sollte man sich unbedingt beraten lassen“, betont er.

Allerdings: Schnelle Lösungen gibt es derzeit nicht mehr. Die Nachfrage nach Solarmodulen und auch Wärmepumpen sei hoch, es gebe Engpässe. So warte man derzeit beispielsweise nach Auftragserteilung mindestens drei Monate auf eine Wärmepumpe. Möchte man spezielle Wärmepumpen einsetzen, so wäre man schon schnell im Jahr 2023. Und auch das Handwerk komme in Sachen Einbau nicht hinterher, da Fachkräfte fehlen. „Die Industrie kann nicht so schnell liefern und das Handwerk nicht so schnell einbauen“, fasst Becker die Lage zusammen. Deswegen seien derzeit alle diejenigen im Vorteil, die sich rechtzeitig gekümmert hätten. Trotzdem empfehle es sich, loszulegen – vorzugsweise mit der Dämmung.

Die Zukunft sieht Becker in digitalen Lösungen: in vernetzten Häusern mit Energiemanagementsystem. Dieses vernetzt Energieerzeuger, -verbraucher und -speicher – und es ist intelligent: „Es kann entscheiden, wann und auf welche Weise die Energie genutzt wird“, erläutert er. Das heißt: Wann läuft die Waschmaschine, wann wird das E-Auto geladen und wann die Wärmepumpe mit Strom versorgt? So kann das Aufheizen von Warmwasser genau dann passieren, wenn kostenloser Strom von der Photovoltaikanlage zur Verfügung steht.

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