Philippinische Krankenschwesternschülerinnen lernen an einer Puppe mit europäischen Ausmaßen und Gesichtszügen. Die Philippinen bilden Pflegepersonal für die ganze Welt aus.

Philippinische Krankenschwesternschülerinnen lernen an einer Puppe mit europäischen Ausmaßen und Gesichtszügen. Die Philippinen bilden Pflegepersonal für die ganze Welt aus.

Foto: picture-alliance/ dpa

Philippinische Krankenschwesternschülerinnen lernen an einer Puppe mit europäischen Ausmaßen und Gesichtszügen. Die Philippinen bilden Pflegepersonal für die ganze Welt aus.

Heute

Wie das Land Bremen die Fachkräfte-Löcher stopfen will

Eine Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen und eine gezielte Arbeitskräfte-Anwerbung im Ausland – das ist nach Ansicht der Agentur für Arbeit und der Handwerkskammer die richtige Strategie gegen den zunehmenden Fachkräftemangel. Das wurde bei der Veranstaltung „Migranten für den deutschen Arbeitsmarkt“ deutlich, zu der die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) eingeladen hatte.

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Die Lage sei ernst, machte Thomas Kurzke, Präses der Handwerkskammer Bremen, deutlich: „Haben wir vor Corona ,nur‘ von einem Fachkräftemangel gesprochen, haben wir jetzt einen massiven Arbeitskräftemangel in allen Bereichen“, meinte er mit Blick auf Bereiche wie die Hotel- und Gaststättenbranche. Einen gravierenden Mangel gebe es in der Pflege, im Erziehungsbereich, bei Ärzten – und im Handwerk. „Hier werben sich die Betriebe bereits gegenseitig die Arbeitnehmer ab.“

Zwar gebe es im Bundesland eine hohe Arbeitslosigkeit, aber auch die Arbeitslosen reichten nicht aus, um die Lücken zu füllen. „Hier ist ein Prozess in Gange“, betonte Kurzke mit Blick auf die demografische Entwicklung. Grund sei, dass die geburtenstarken Jahrgänge, die sogenannten Babyboomer, jetzt in Rente gingen. „In Hamburg ist es so, dass für vier Arbeitnehmer, die in den Ruhestand gehen, nur ein Auszubildender nachkommt“, machte Kurzke deutlich. In Deutschland fehlten aktuell schon 2000 Maurer. Man müsste eigentlich jedes Jahr 400.000 Arbeitskräfte weltweit suchen. „Dazu benötigen wir ein Einwanderungsgesetz, wie es Kanada und Australien haben.“ Beid Länder bauen darauf, mit gezielter Zuwanderung einem künftigen Arbeitskräftemangel entgegentreten zu können.

Das Land Bremen holt Facharbeiter aus Spanien, Mexiko, Indonesien, Brasilien und von den Philippinen

Das konnte auch Joachim Ossmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bremen, nur unterstreichen. Er bezeichnete den demografischen Verlauf als „Kurve des Grauens“, die in den kommenden fünf Jahren Fahrt aufnehme – „also quasi übermorgen“. Um das auszugleichen, bedürfe es einer bedarfsgerechten Zuwanderung. „Die ist anders als die Migration aus humanitären Gründen“, machte er deutlich und verwies auf die gezielte Zuwanderung türkischer Arbeitnehmer Anfang der 1960er Jahre.

Aktuell erfolge diese bedarfsgerechte Anwerbung bereits in zwei Bereichen: bei Erziehern und Pflegekräften. „Im Bundesland Bremen kommen bereits in einer zweiten Welle Fachkräfte aus Spanien und Mexiko. Es gibt auch Vereinbarungen mit Indonesien, Brasilien und den Philippinen“, berichtete Ossmann. Hierbei seien aber zwei Aspekte wichtig: Zum einen dürfe die Anwerbung nicht zum Ausbluten der Herkunftsländer führen – deshalb die Vereinbarungen –, zum anderen müsse man diesen Menschen aber auch eine langfristige Perspektive geben. „Das heißt, dass man sie nicht zurückschickt, wenn der Boom vorbei ist“, betonte der Chef der Agentur für Arbeit.

Ossmann: Qualifizierung von Arbeitslosen das A und O

Allerdings stelle die Migration eine Gesellschaft auch vor große Herausforderungen. Das erklärte Prof. Dr. Hans-Christian Petersen vom Institut Imis der Universität Osnabrück, am Beispiel der sogenannten Russlanddeutschen: „Integration ist ein langfristiger Prozess und kann auch keine Einbahnstraße sein.“ Bei den Russlanddeutschen gebe es erst seit 2005 eine Besserung, obwohl sie vor 25 bis 30 Jahren eingewandert seien. Und das, obwohl es hier kaum kulturelle und sprachliche Unterschiede gebe. „Trotzdem fehlt ihnen die Anerkennung. Sie gelten immer noch als ,die Russen‘.“

Doch auch die Arbeitslosen sind ein Teil zur Lösung des Arbeitskräftemangels: „Hier ist die Qualifizierung das A und O. Denn 66 Prozent der Langzeitarbeitslosen haben keine abgeschlossene Berufsausbildung“, machte Ossmann klar. Leider fehle oftmals auch der Wille, sich zu qualifizieren. Das gelte insbesondere auch für Migranten: „In ihren Heimatländer ist die duale Ausbildung aus Schule und Praxis oft unbekannt.“ Wichtig sei, besonders auf junge Leute von 15 bis 25 Jahren einzuwirken. Man sei aber bereits auf einem guten Weg, meinte Ossmann: „Das Glas ist halb voll.“

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