In der Innenstadt sind die Haltestellen gut erreichbar. Am Stadtrand in den neuen Baugebieten ist das jedoch nicht der Fall, sagt der SPD-Politiker Holger Welt.

In der Innenstadt sind die Haltestellen gut erreichbar. Am Stadtrand in den neuen Baugebieten ist das jedoch nicht der Fall, sagt der SPD-Politiker Holger Welt.

Foto: Lothar Scheschonka

In der Innenstadt sind die Haltestellen gut erreichbar. Am Stadtrand in den neuen Baugebieten ist das jedoch nicht der Fall, sagt der SPD-Politiker Holger Welt.

Heute

Wie guter Nachverkehr für Bremerhaven aussehen könnte

In nicht mehr als zehn Minuten zu Fuß zur nächsten Haltestelle zu gelangen – das macht nach Ansicht von SPD, Grünen und Linken guten Nahverkehr aus. Um diesen zu erreichen, haben sie einen Antrag in die Bremische Bürgerschaft (Land) eingebracht. Was das für Bremerhaven bedeutet, erläutert Bürgerschaftsabgeordneter Holger Welt (SPD) aus Leherheide.

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Die Bürgerschaft hat dem Antrag zugestimmt und fordert jetzt den Senat auf, unter Einbeziehung des Bremerhavener Magistrats, der Verkehrsgesellschaften BSAG, Bremerhaven Bussowie des Verkehrsverbunds VBN das Linien- und Haltestellennetz dahingehend zu überprüfen, ob für alle Einwohner in maximal 500 Metern Entfernung vom Wohn- beziehungsweise Arbeitsort die Möglichkeit des Zustiegs zu einem Zehn-Minuten Takt-Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) besteht. Zudem soll ein Konzept erarbeitet werden, wie das zu erreichen wäre.

Weiße Flecken im Netz

„In Bremerhaven sind wir eigentlich bereits ganz gut aufgestellt – schon bedingt durch die Form des Stadtgebiets“, meint Welt. Allerdings gebe es einige weiße Flecken, sagt er und blickt dabei auf Neubaugebiete insbesondere am Stadtrand. „Die Stadt wächst stetig. Jede Fläche, die bebaut werden kann, wird genutzt. Aber das Liniennetz ist größtenteils immer noch auf dem Stand der 1980er, 1990er und 2000er Jahre“, findet der SPD-Politiker. Die Stadtteile seien gut angebunden, aber nicht die einzelnen Ortsteile.

In Leherheide denkt Welt beispielsweise ans Fehrmoor. „Dort ist die letzte Haltestelle ,Fehrmoorweg‘. Doch dahinter befinden sich noch etliche andere Straßen, wie der Azaleenweg, der Tamariskenweg oder der Ligusterweg, an denen mittlerweile viele Wohnhäuser stehen“, gibt er zu bedenken. Das gelte auch für das Schierholzgebiet. Dort fahre der Bus 508 zwar gerade durch. „Aber ein paar Schlenker wären auch nicht schlecht“, findet Welt.

Gut zu erreichende Haltestellen tragen nach Meinung des SPD-Politikers maßgeblich dazu bei, dass Einwohner auf den öffentlichen Personennahverkehr umsteigen und das Auto stehen lassen. Zudem dürfe man aber auch nicht die Demografie außer Acht lassen: „Denn wenn ein gesunder 20-Jähriger in zehn Minuten zur Haltestelle kommt, gilt das nicht für ältere oder gehbehinderte Mitbürger“, erläutert er. Und es sei nicht zweckdienlich, wenn diese Mitbürger sich dann ins Taxi setzten oder gar das eigene Auto nutzten, um beispielsweise zum Arzt oder zum Einkaufen zu kommen.

Vorschlag: Kleine Busse als Zubringer

„Es müssen ja auch nicht unbedingt große Gelenkbusse in einem Zehn-Minuten-Takt sein, die die Anbindung übernehmen“, meint Welt und schlägt kleinere Zubringerbusse im Halb- oder Ganzstundentakt vor. Das Anruflinien-Taxi (ALT), das im Stadtgebiet bereits auf einigen Streckenabschnitten eingesetzt wird, hält er dafür nicht für geeignet. „Das Angebot muss als Bus zu erkennen sein“, findet er.

Insgesamt müsse der ÖPNV attraktiver werden, betont Welt. Dazu gehörten nicht nur eine gute Erreichbarkeit von Haltestellen und gute Verbindungen, sondern auch günstige Preise. „Es muss sich lohnen, das Auto stehen zu lassen“, sagt Welt.

Er schlägt zudem vor, dass die Seestadt als Oberzentrum auch mit den Umlandgemeinden ins Gespräch komme und ein gutes Angebot erarbeite. „Damit Pendler gut unterwegs sein können. Und zwar nicht nur die, die vom Umland nach Bremerhaven kommen, sondern auch die, die im Umland arbeiten“, sagt Welt.

Der Magistrat der Stadt Bremerhaven hat sich mit dem Antrag „Nicht mehr als zehn Minuten zur Fuß zur Haltestelle“ noch nicht beschäftigt, sagt Magistratssprecher Volker Heigenmooser. Er weiß aber: Der Senat habe den Beschluss der Bürgerschaft zur Kenntnis genommen und an die Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau zur weiteren Veranlassung weitergeleitet. „Die Senatorin beziehungsweise ihr Ressort haben sich noch nicht beim Magistrat gemeldet. Insofern gibt es noch keine Befassung im Magistrat“, teilt er mit. Wenn sich die Senatorin jedoch melde, müsse sich der Magistrat damit befassen und möglicherweise Vorschläge erarbeiten lassen, wie das Ziel erreicht werden kann.

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