Das sind die Pläne der Van-Ronzelen-Gruppe, ein bisher einmaliger Zusammenschluss von sechs Bau- und Wohnungsgenossenschaften und Gesellschaften.

Das sind die Pläne der Van-Ronzelen-Gruppe, ein bisher einmaliger Zusammenschluss von sechs Bau- und Wohnungsgenossenschaften und Gesellschaften. van Ronzelen-Gruppe, Visualisierung: MandaWorks

Foto: van Ronzelen-Gruppe, Visualisierung: MandaWorks

Das sind die Pläne der Van-Ronzelen-Gruppe, ein bisher einmaliger Zusammenschluss von sechs Bau- und Wohnungsgenossenschaften und Gesellschaften. van Ronzelen-Gruppe, Visualisierung: MandaWorks

Leben

Stadtplanung: Was Bremerhaven sich von Malmö abgucken kann

Malmö hat seinen industriell geprägten Westhafen nach der Werftenpleite zum Wohnquartier gemacht. Auch sonst sieht der dortige Stadtplaner viele Parallelen zu Bremerhaven. Warum er für die Pläne für Bremerhavens Külken-Halbinsel Feuer und Flamme ist, und was Bremerhaven sich vom schwedischen Projekt abgucken oder besser machen könnte, erklärt Lars Böhme Maike Wessolowski im Interview.


Sie haben das Projekt von Beginn an begleitet, wie kam es dazu, dass der Stadtplaner von Malmö nach Bremerhaven schaut? Ich kenne Bremerhaven schon lange, aber 2017 habe ich Klaus Becké, den Sprecher der van Ronzelen-Gruppe, im Rahmen einer von ihm initiierten Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung im Auswandererhaus zum Thema Städteplanung kennengelernt. Es ging darum, wie Bremerhaven weiterhin ans Wasser wachsen kann und ich habe vorgestellt, wie Malmö mit dem Thema umgeht. Ungefähr ein Jahr später kam ich in Kontakt mit der van-Ronzelen-Gruppe, die den Wunsch hatte, Bremerhaven in diesem städtebaulichen Bereich voranzubringen. Etwas später hat mich dann auch die Stadt Bremerhaven gebeten, der Jury des städtebaulichen Wettbewerbs des gesamten Werftquartiers beizuwohnen.

Wie haben Sie auf die Ideen der van-Ronzelen-Gruppe reagiert?
Ich war sofort Feuer und Flamme, denn die Ideen der Gruppe im Zusammenhang mit Bremerhavens Stadtentwicklung waren richtig spannend. Außerdem haben Bremerhaven und Malmö viele Gemeinsamkeiten: die Herausforderungen, die sich aus dem Niedergang der Werftindustrie ergeben, sich städtebaulich neu zu erfinden und die ökonomischen Rahmenbedingungen. Beim Blick auf Projekte in Hamburg oder Kopenhagen ist man natürlich auch inspiriert, doch weiß man, dass dort ganz andere Voraussetzungen herrschen. Außerdem hat mich die Konstellation der van Ronzelen-Gruppe beeindruckt.
Lars Böhme

Lars Böhme

Foto: Stadt Malmö



Dass so viele Wohnungsbaugesellschaften so zusammenarbeiten scheint ziemlich einmalig?
Ja, ich kenne zumindest kein vergleichbares Projekt. Ich finde es bemerkenswert, dass sich diese in sich heterogene Wohnungswirtschaft zusammentut. Von Beginn an war da dieses genuine Interesse der Mitglieder, gemeinsam etwas Neues zu schaffen, zum Wohle der Stadt. Die Gesellschaften wollen für den Bestand bauen, was der Nachhaltigkeit des Projekts zugute kommt. Hier geht es nicht in erster Linie um spektakuläre Einzelarchitektur, sondern darum, Werte zu vermitteln: Was kann der Städtebau einer Gesellschaft zuführen, welches über den einfachen Bau von Häusern hinausgeht? Man kann sagen: Die van- Ronzelen-Gruppe möchte etwas schaffen, das gut für alle Bremerhavener ist. Diese wertebasierte Planung bildet das Fundament, sie ist Konsens in der Gruppe und soll sich im städteplanerischen Entwurf abbilden, unabhängig von der Architektur, die dann darauf aufbaut. Ich habe großen Respekt vor der Gruppe, deren Akteure sich seit Jahren kennen und auch zwischenmenschlich gut verstehen. Das macht unglaublich viel Spaß.

Welche Werte bilden das Fundament?
Die van Ronzelen-Gruppe hat die Zielsetzungen der Agenda 2030 der Vereinten Nationen für eine nachhaltige Entwicklung als Grundlage gewählt. Da steckt alles drin: zum Beispiel ein sozialverträglicher Wohn-Mix, nachhaltige Mobilität, Klimaneutralität und dass man finanziell auf soliden Füßen steht. Ein Ziel ist auch, das städtebauliche Angebot zu erweitern, um Menschen nach Bremerhaven zu locken, die es sich vorher nicht vorstellen konnten, hier zu leben.
Das sieht auch der Rahmenplan von "Cobe" vor: Ein künstlicher Kanal durchzieht das Quartier.

Das sieht auch der Rahmenplan von "Cobe" vor: Ein künstlicher Kanal durchzieht das Quartier.

Foto: van Ronzelen-Gruppe, Visualisierung: MandaWorks



Es hat dann auch Besuche in Malmö gegeben?
Zunächst haben wir uns in Bremerhaven getroffen und die ersten Schritte in Richtung der wertebasierten Planung gemacht. Danach haben wir uns auch Projekte in Malmö angeschaut und haben uns in die physische Planung vertieft. Mir ist die Beteiligung aller Verantwortlichen bei der planerischen Arbeit sehr wichtig. Ohne die Einbeziehung der Akteure ist das Risiko groß, dass man an der Zielgruppe vorbeiplant und stereotype Architektur ohne lokale Verankerung schafft. Meine Rolle beim Projekt auf der Külken-Halbinsel ist eher die des Moderators. Die tollen Ideen der van-Ronzelen-Gruppe haben mich beeindruckt. Wir haben sie dann später der Stadt vorgestellt und sie fanden auch Eingang in den städtebaulichen Wettbewerb.

So ein Projekt braucht nicht nur mutige Investoren und Unterstützung der Politik...
Was die Politik angeht, haben wir bisher sehr viel Unterstützung erhalten. Uns wurde zugehört und man ist auf uns auch im Rahmen der bisherigen Planung eingegangen. Darüber sind wir sehr dankbar und hoffen natürlich auf weitere Unterstützung.

...und die Akzeptanz der Bürger durch Einbindung?
Hier wurde durch die Stadt im Zusammenhang mit der Arbeit im gesamten Werftquartier schon viel getan. Unsere Gruppe steht hier noch am Anfang. Wenn die Planungen konkreter werden, muss man die Bürger beteiligen. Ich finde es wichtig, die Menschen dort abzuholen, wo sie sind. Vielleicht wird man es anders machen müssen als das Übliche „Wir laden jetzt ein“. Da muss man selbst zu den Plätzen gehen, an denen sich die Menschen befinden. Hier in Malmö habe ich die Erfahrung gemacht, solche Beteiligungsprozesse dem Alltag der Menschen anzupassen, um möglichst breite Teile der Bevölkerung zu erreichen.
Leben am, mit und auf dem Wasser: So eine Uferpromenade könnte den neuen Stadtteil schmücken.

Leben am, mit und auf dem Wasser: So eine Uferpromenade könnte den neuen Stadtteil schmücken.

Foto: van Ronzelen-Gruppe, Visualisierung: MandaWorks



Sie haben mit dem Westhafen einen neuen Stadtteil in Malmö, der auch aus einem ehemaligen Industriegebiet entstanden ist. Was kann Bremerhaven davon lernen?
Wenn ich nachhaltige Mobilität will, muss ich früh die Alternativen schaffen. Der ÖPNV sollte funktionieren, wenn die Menschen einziehen, der Radweg muss zuerst gebaut werden. Denn wer umzieht, ist bereit, sich auf Neues einzulassen und wir erleichtern es den Menschen, ihre Gewohnheiten zu ändern.

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