Lars Neugebauer in Aktion, als Torwart bei der zweiten Herrenmannschaft des Rotenburger SV.

Lars Neugebauer in Aktion, als Torwart bei der zweiten Herrenmannschaft des Rotenburger SV. Nach dem Corona-Fall im Team war erst mal Pause angesagt, weil die Mehrzahl der Spieler in Quarantäne musste.

Foto: Frese

Lars Neugebauer in Aktion, als Torwart bei der zweiten Herrenmannschaft des Rotenburger SV. Nach dem Corona-Fall im Team war erst mal Pause angesagt, weil die Mehrzahl der Spieler in Quarantäne musste.

Leute Mein Moment 2020

Als Corona für einen Zevener plötzlich ganz persönlich wurde

Unsere Leser berichten von ihren Momenten 2020.

„Corona war für mich nie weit weg, schließlich bin ich beim Rotenburger SV wegen meiner beruflichen Kenntnisse Corona-Beauftragter und habe das Hygiene-Konzept erarbeitet. Aber im Herbst wurde es dann plötzlich sehr persönlich, weil wir einen Krankheitsfall in der der zweiten Herrenmannschaft hatten“, erzählt der 39-jährige Zevener Lars Neugebauer im Gespräch mit NORD|ERLESEN.

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„Mein Corona-Moment war, als mein Chef und ich in meinem Büro saßen und uns vor Augen führten, wer mit wem Kontakt hatte, weil unser Mannschaftskamerad positiv getestet worden war. Und das passierte, bevor das Gesundheitsamt uns anrief. Anhand einer Skizze der Kabine haben wir realisiert, dass wir beide Kontakte ersten Grades waren. Dann haben wir beide eine Maske aufgesetzt und gesagt, wir fahren lieber mal nach Hause.“

Das Gesundheitsamt ruft an

Drei Stunden später rief dann ein Mitarbeiter des Gesundheitsamtes an. „In so einem Moment wird einem bewusst, wer alles betroffen wäre, wenn man positiv getestet würde. Es wäre fast die gesamte Firma Grewe gewesen. Das war für meinen Chef, meine Chefin und auch für mich sehr erhellend. Was uns geschützt hat, war das konsequente Abstandhalten in der Zeit davor – und das halten wir bis heute so ein. Es ist erschreckend, wie viele Menschen so eine Ansteckung betreffen würde. Wenn man sich das vor Augen führt, ist es eine immense Zahl an Menschen, die betroffen wäre.“

Man kann viel über Ämter und Behörden schimpfen, aber das Gesundheitsamt in Rotenburg leistet großartige Arbeit. Ich möchte deren Job jedenfalls gerade nicht haben.
Lars Neugebauer

Im Verein, vor allem aber in der Firma, gab es einen echten Schockmoment. „Wir waren die Ersten, die bei Grewe Berührung mit Corona hatten. Mein Chef ist eine Führungskraft und hat von daher schon viele Kontakte. Ich bin im Stab tätig, da gibt es ebenfalls zahlreiche Kontaktpersonen. Aber wir hatten Vorkehrungen getroffen, haben einen Pandemie-Plan, das ist ja eine meiner Aufgaben als Beauftragter für den Arbeitsschutz. Als es nun plötzlich greifbar wurde, haben wir gemerkt, dass der Pandemie-Plan in der Firma und das Hygiene-Konzept im Verein gut funktioniert haben. Das musste erstmals angewendet werden, und es war in Ordnung.“

Anwesenheitslisten werden aktualisiert

Die Anwesenheitslisten wurden aktualisiert, um Adressen ergänzt und dem Gesundheitsamt zur Verfügung gestellt. „Die waren sehr dankbar, dass wir so gute Vorarbeit geleistet hatten. Es ging dann sehr schnell, um 13 Uhr kam die Nachricht von dem positiven Test, um 18 Uhr waren wir alle in Quarantäne. Ich muss dem Gesundheitsamt ein großes Lob aussprechen, die haben schnell gearbeitet, es kam auch für mich die schnelle Rückmeldung, dass alle Mannschaftskameraden kontaktiert wurden. Das ist großartig und keinesfalls selbstverständlich, auch die schnellen Anrufe nach unseren Tests. Die waren an einem Freitag, und wir wurden schon am Sonnabend über die Ergebnisse informiert. Man kann viel über Ämter und Behörden schimpfen, aber das Gesundheitsamt in Rotenburg leistet großartige Arbeit. Ich möchte deren Job jedenfalls gerade nicht haben.“

Lars Neugebauer ist ein gefragter Ansprechpartner

Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung mit Infektionskrankheiten als Kita-Leiter und der Tätigkeit als Koordinator für Arbeitssicherheit lag es nahe, das Lars Neugebauer in beiden Fällen zum gefragten Ansprechpartner wurde. „Wir hatten in der Kita immer entsprechende Pläne, das Thema war mir also vertraut, die Maßnahmen sind immer sehr ähnlich. Wir waren in der Kita immer gut auf solche Fälle vorbereitet, das zeigt sich jetzt auch in der Corona-Pandemie. Ansteckungen lassen sich nicht komplett vermeiden, aber es geht immer um die Weiterverfolgung der Infektionskette, damit es nicht immer weitergeht. Das wurde in der Kita, in der Firma und eben auch im Verein vermieden. Es gab keine weiteren Ansteckungsfälle im Rotenburger SV, unser Konzept hat also gegriffen. Als im Sommer wieder trainiert werden durfte, haben wir streng auf kleine Gruppen geachtet, die Kabinen zunächst gesperrt gelassen. Ich bin da sehr zufrieden mit dem Verein, mit den Spielern, Ordnern, Trainern und anderen Ehrenamtlichen. Wir hatten einen Infektionsfall im familiären Bereich, aber keinen weiteren, und das bei den vielen Mannschaften und Zuschauern. Sport ist nicht der Treiber der Infektionen, aber es ist völlig richtig gewesen, die Kabinen zu schließen. Wenn sich in allen Sportarten konsequent an die Hygiene-Konzepte gehalten wird, ist der Sport an sich nicht das Problem in der Pandemie. Es geht immer um das Verhalten der Menschen. Unterhalte ich mich draußen – oder trinke ich mein Bier in der Kabine? Wir müssen uns alle fragen, ob wir das so konsequent durchgezogen haben – da nehme ich mich nicht aus.“

Lars Neugebauer aus Zeven ist beim Rotenburger SV Torwarttrainer

Lars Neugebauer aus Zeven ist beim Rotenburger SV Torwarttrainer, spielt aber zuweilen auch selbst noch in der zweiten Mannschaft mit.

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