Thomas Schaaf gibt alles an der Seitenlinie, kann den Abstieg aber nicht verhindern.

Thomas Schaaf gibt alles an der Seitenlinie, kann den Abstieg aber nicht verhindern.

Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Thomas Schaaf gibt alles an der Seitenlinie, kann den Abstieg aber nicht verhindern.

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Angekratzte Stimmbänder und große Enttäuschung bei Thomas Schaaf

Als er zum Interview aus der Mannschaftskabine kam, war seine Miene so undurchdringlich wie immer. Doch die Stimme verriet dann die Gefühlslage. Thomas Schaaf bekam zunächst kaum einen Ton heraus. „Es ist schwer, überhaupt etwas zu sagen“, setzte die Bremer Trainerlegende vor dem Sky-Mikrofon an, um zu erklären, was die 2:4-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach und der damit verbundene Abstieg des SV Werder Bremen für ihn persönlich bedeutet.

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Nur eine Woche, nur ein Spiel hatte er Zeit, um den Verein, mit dem als Spieler und Trainer über Jahrzehnte große Erfolge gefeiert hatte, noch vor dem Gang in die Zweite Liga zu bewahren. Die Mission scheiterte. Und Thomas Schaaf presste schließlich die Enttäuschung über die angekratzten Stimmbänder. „Ich habe es versucht, wir haben es versucht, noch mal eine Wende hinzukriegen – das hat heute nicht funktioniert“, sagte der 60-jährige Interims-Trainer des SV Werder Bremen, „das ärgert uns alle, das ärgert mich am meisten.“

Schaaf wollte nicht vor der Verantwortung weglaufen

Thoma Schaaf hatte nicht Nein sagen können, als Werder Bremen ihn in Person von Sportchef Frank Baumann eine Woche zuvor gefragt hatte, ob er übernehmen würde, falls der Klub Coach Florian Kohfeldt freistellen würde. Schaaf nickte es ab, weil er sich nicht vorwerfen lassen wollte, vor der Verantwortung weggelaufen zu sein. Und weil er eine Chance sah, die Mannschaft für das Spiel gegen Borussia Mönchengladbach mobilisieren zu können. „Ich hatte gehofft, dass ich den Spielern noch so viel mitgeben kann, dass sich etwas tut“, erklärte er. Doch schon mit dem frühen 0:1 nach nur drei Minuten war alles, was er den hochgradig verunsicherten Werder-Profis an Selbstvertrauen, Überzeugung und Lockerheit hatte vermitteln wollen, wieder wie weggeblasen. Nach einer Stunde stand es dann 0:3, nach 67 Minuten gar 0:4. Der Schaaf-Effekt? Nicht vorhanden. „Dass es dann so nach hinten abgeht, ist dann eben so“, sagte der Double-Trainer von 2004 und verabschiedete sich wieder in die Kabine sowie in eine auch für ihn unklare Zukunft.

Schaafs Zukunft bei Werder ist ungewiss

Als Trainer gilt Thomas Schaaf bei Werder Bremen nicht als Lösung für die Zukunft, sein Vertrag als Technischer Direktor im Leistungszentrum läuft zudem aus. Eine Verlängerung wurde wegen der lange unklaren sportlichen Situation auf Eis gelegt und ist nach dem Abstieg alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Der Sparzwang bei Werder könnte auch vor dem verhinderten Retter nicht Halt machen.

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