Nina Magiera in Aktion: Hier verabreicht die 50-Jährige Stefan Schomacker eine Booster-Impfung. Der lobt anschließend: „Alles top organisiert hier.“

Nina Magiera in Aktion: Hier verabreicht die 50-Jährige Stefan Schomacker eine Booster-Impfung. Der lobt anschließend: „Alles top organisiert hier.“

Foto: Melchers

Nina Magiera in Aktion: Hier verabreicht die 50-Jährige Stefan Schomacker eine Booster-Impfung. Der lobt anschließend: „Alles top organisiert hier.“

Leute

Kampf gegen Corona: Nina Magiera ist mitten drin

Der eigentlich Akt geht ruckzuck. „Linker oder rechter Arm?“, fragt Nina Magiera, kurz darauf warnt sie „Jetzt wird‘s ein bisschen kühl“, dann setzt sie die Spritze. Pflaster drauf – Impfung erledigt. Das geht schnell und routiniert. Und trotzdem wird manchmal ein Zwölf-Stunden-Arbeitstag daraus. In ganz Deutschland sind Tausende Menschen wie Nina Magiera im Einsatz. Sie sind die Kämpfer gegen die vierte Corona-Welle.

Kreis-Icon-Nordstern

Gegen 7.15 Uhr kommt die gelernte Krankenschwester auf ihrem Fahrrad zur Geschäftsstelle der Johanniter-Unfall-Hilfe in Cuxhaven. Im Team sind alle geimpft und geboostert, trotzdem ist der erste Schritt ein Corona-Test. Alle negativ, es kann also losgehen. Nina Magiera arbeitet für das mobile Impfteam, jeden Tag woanders. Heute wird von 9 bis 12 Uhr in Nordholz geimpft, und von 14 bis 18 Uhr in Dorum.

Transporter packen

Das heißt: Das gesamte Material – Spritzen, Tupfer und Pflaster, Defribrillator und Medikamente, Stellwände und Liege, Formulare und Computer – kommt in den Transporter und wird nach Nordholz kutschiert. Wehe, später stellt sich heraus, dass was fehlt. Also kontrollieren Magiera und ihre Mitstreiter genau, ob von allem genug da ist. Das Wichtigste wird vom Lager des Landkreises abgeholt: der Impfstoff.

Das Aufziehen des Impfstoffs auf die Spritzen gehört zu den Aufgaben von Nina Magiera.

Das Aufziehen des Impfstoffs auf die Spritzen gehört zu den Aufgaben von Nina Magiera.

Foto: Melchers

In Nordholz angekommen bauen die Johanniter im Gemeindehaus der Kirche in unaufgeregter Routine die Zone für die Ärztin auf, den Empfangstisch mit den Laufzetteln am Eingang und bereiten den Ruheraum vor. Draußen stehen schon die ersten Impflinge, und drinnen beginnt Nina Magiera, die Spritzen aufzuziehen.

„Da muss man aufpassen“, sagt die jung gebliebene 50-Jährige und erklärt: „Für Boosterimpfungen müssen es 0,25 Milliliter sein, für Erstimpfungen 0,5 Milliliter. Und aus einer Biontech-Dosis können wir 6 bis 7 Spritzen füllen, bei Moderna sind es bis zu 22.“ Zu Anfang sind die unterschiedlichen Dosierungen kein Problem, aber irgendwann lässt die Konzentration nach, dann wird es anstrengend. „Deswegen wechseln wir die Stationen“, sagt Johanniter-Dienststellenleiterin Britta Sahr.

Zwei Impfteams

Sie betreut zwei Impfteams von jeweils neun Personen. Eines impft im City-Center Cuxhaven, das andere ist mobil und fährt den gesamten Nordkreis ab. „Als ich im Oktober angefangen habe, war gerade Impfstoff knapp“, sagt Nina Magiera, da wurde notgedrungen wenig geimpft. „Aber seit November ist richtig Bambule.“ Bei Impfungen ohne vorherige Terminvergabe geht es Schlag auf Schlag, berichtet Britta Sahr, „da macht man keine Pause, wenn man sieht, wie lang die Schlange ist.“ Mittlerweile bitten die Johanniter deswegen darum, sich einen Termin zu besorgen. Wer keinen hat, wird in der Regel aber auch nicht weggeschickt.

Das mobile Impfteam ist an den Jacken gut erkennbar.

Das mobile Impfteam ist an den Jacken gut erkennbar.

Foto: Melchers

In Nordholz geht es einigermaßen ruhig zu. Nina Magiera findet Zeit für einen schwarzen Kaffee und einen kurzen Schwatz. 20 Jahre lang war sie Krankenschwester. Danach machte sie eine Umschulung zur Kauffrau im Gesundheitswesen. Als die Ausbildung im Januar 2021 beendet war, fand sie keine Stelle. „Aber dann hat mich das Impfzentrum Cuxhaven eingestellt.“ Und als das geschlossen wurde, ging sie zu den Johannitern, eine 30-Stunden-Stelle. Alle sind hier fest angestellt, der Landkreis erlaubt keine ehrenamtlichen Kräfte in den Impfstellen. Anderswo ist es zu Missbrauch gekommen: Da sind Ehrenamtliche als Hauptamtliche abgerechnet worden.

Freude über jeden, der sich impfen lässt

Nina Magiera trinkt in großen Schlucken und erzählt. „Die meisten sind dankbar“, sagt sie über die Menschen, die sie piekt. „Vielen Dank, dass Sie da sind“, hat mal einer gesagt. Sie macht eine kleine Pause und sagt: „Das ist gut für die Seele.“ Ein paar Motzer gebe es auch, aber das steckt sie weg. „Und ganz ehrlich: Ich freue mich über jeden, der zur Erstimpfung kommt.“ Es ist ihr auch egal, warum derjenige so lange gewartet hat, „ich möchte einfach nur, dass alle sich impfen lassen.“

Warteschlangen gibt es immer. Selbst, wenn anfangs alles im Fluss ist, kommt irgendwann eine dreiköpfige Familie zu einem Termin. Der Papierkram dauert dann eben. Oder jemand hat keinen Impfpass dabei oder kann seinen Personalausweis nicht finden.
Britta Sahr, Dienststellenleiterin der Johanniter-Unfall-Hilfe

Nicht zuletzt, weil sie „so genervt von den Masken“ ist, die sie die ganze Zeit trägt und die die Brille beschlagen lassen. Auf den Tag, an dem das nicht mehr nötig ist, freut sie sich schon jetzt. Lächelnd schiebt sie hinterher: „Auch wenn das bedeutet, dass ich dann keine Arbeit mehr habe.

„Am anstrengendsten“, sagt sie, „sind oft die letzten anderthalb Stunden.“ Fast immer bleiben ein paar Spritzen übrig, „aber wir gehen nicht nach Hause, bis alle weg sind.“ Britta Sahr beschreibt: „Dann fragen wir bei der Polizei oder beim Zoll nach. Manchmal gehen wir sogar durch den Ort und fragen in den Apotheken die Kunden, ob sie geimpft werden wollen.“ Für sie wie für das gesamte Team ist das Impfen eine Art Mission.

Drei Stunden hat das Team in Nordholz geimpft. Jetzt räumen Nina Magiera (rechts) und und die anderen Teammitglieder auf, schleppen alles Material in den Transporter, und dann geht es nach Dorum. Dort geht es noch vier Stunden weiter.

Drei Stunden hat das Team in Nordholz geimpft. Jetzt räumen Nina Magiera (rechts) und und die anderen Teammitglieder auf, schleppen alles Material in den Transporter, und dann geht es nach Dorum. Dort geht es noch vier Stunden weiter.

Foto: Melchers

Und wenn alle Dosen verimpft sind, ist immer noch nicht Feierabend: Das gesamte Team packt mit an, räumt das Material in den Transporter und in der Dienststelle wieder aus. Erst um 19.30 Uhr ist sie wieder zu Hause, nach mehr als zwölf Stunden. „Da ist man ziemlich kaputt“, sagt sie. Sie isst noch was, spricht ein bisschen mit ihrem Partner, dann geht sie schlafen. „Aber soll ich Ihnen mal was sagen“, sagt sie: „Die Kollegen sind so nett, da freue ich mich trotzdem schon auf den nächsten Tag.“

Wo ich mich impfen lassen kann

Im Altkreis Wesermünde sind zwei mobile Impfteams im Auftrag des Landkreises Wesermünde unterwegs. Die Johanniter-Unfall-Hilfe deckt den Norden des Landkreises ab, das Deutsche Rote Kreuz Wesermünde den Südkreis. Die Termine, wann welches Team wo impft, sind auf der Internetseite des Landkreises abrufbar unter www.landkreis-cuxhaven.de/Corona/Impfungen/. Dort steht auch, was mitzubringen ist: Krankenkasse, Ausweis, Impfpass (falls vorhanden), außerdem ist dort der Anamnese- und Einwilligungsbogen abrufbar, der schon vorher ausgefüllt werden kann.

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